ELGA (elektronische Gesundheitsakte) – Information für Patientinnen und Patienten

Diese Information ist auch auf der Homepage der ELGA Betreibergesellschaft abrufbar unter:

https://www.elga.gv.at/gda/foerderrichtlinie/index.html – Aushang für Ordinationen anklicken

 

Die Information der Betreibergesellschaft hängt in unserem Wartezimmer aus !

Welche Gesundheitsdaten werden in ELGA, der Elektronischen Gesundheitsakte, verfügbar gemacht?

Derzeit sind folgende ELGA-Gesundheitsdaten in ELGA verfügbar: ärztliche/pflegerische Entlassungsbriefe sowie teilweise Radiologie- und Laborbefunde aus Krankenanstalten und Medikationsdaten aus Ordinationen/Gruppenpraxen bzw. Apotheken. Alle anderen Gesundheitsdaten sind in ELGA nicht verfügbar.

Kommentar:  In Zukunft werden weitere Inhalte dazukommen je nach technischem und planerischen Fortschritt wie zb. das elektronische Rezept und anderes.

Wie bekomme ich Zugang zu meinen ELGA-Gesundheitsdaten?

Über das ELGA-Portal auf www.gesundheit.gv.at können Sie auf Ihre in ELGA gespeicherten Gesundheitsdaten zugreifen. Für den Einstieg benötigen Sie eine Bürgerkarte/Handy-Signatur. Sie können auch über die ELGA-Ombudsstelle, die Standorte in jedem Bundesland errichtet hat, erfahren, welche Gesundheitsdaten von Ihnen in ELGA verfügbar sind und wer wann auf diese zugegriffen hat. Jede Verwendung von ELGA wird von einem Protokollierungssystem aufgezeichnet. Sie können somit jederzeit alle Zugriffe lückenlos nachvollziehen.

Kommentar: Es ist nicht möglich, selbst etwas in die Akte hineinzuschreiben.

Wer hat Zugang zu meinen ELGA-Gesundheitsdaten?

Sie selbst und Ihre behandelnde Ärztin/Ihr behandelnder Arzt im Spital können bei Verwendung Ihrer e-card Ihre ELGA verwenden. In Ordinationen und Gruppenpraxen haben Ärztinnen/Ärzte nur auf Ihre Medikationsdaten Zugriff, außer die Ärztin/der Arzt nimmt freiwillig an e-Befund teil. Derzeit verwenden auf Grund der technischen Qualität der e-Befunde allerdings nur wenige Ärztinnen/Ärzte den e-Befund. Jeder Zugriff wird protokolliert. Voraussetzung hierfür ist, dass Sie der Teilnahme an ELGA nicht widersprochen haben.

Kommentar: Die ELGA funktioniert wie eine Plattform, die verschiedene Dienstleister verbindet (wie social media Leute verbindet). Das bedeutet, es gibt keine zentrale Speicherung, sondern die Daten bleiben in den Spitälern und Praxen gespeichert. Nach Dienstschluss werden diese Daten zeitweise auf einigen Grossservern in Österreich verteilt gespeichert. Dieses offene System kann von vielen Zugangspunkten betreten werden (einige 10.000 Ordination, Spitäler, Apotheken und weitere).  Zutritt gibt es nur mit Schlüsseln ähnlich dem System mit Bankomatkarten.

Ersetzt ELGA das Gespräch zwischen Ärztin/Arzt und Patientin/Patient?

Nein! Das persönliche Gespräch ist nicht ersetzbar.

Kommentar: ELGA enthält nur Informationen aus der Vergangenheit, Aktuelles muss natürlich erfragt werden.

Welchen Nutzen haben Sie von ELGA bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt?

Durch ELGA werden Medikationsdaten für Sie und Ihre behandelnde Ärztin/Ihren behandelnden Arzt einsehbar. ELGA stellt Ihnen eine Liste aller Medikamente, die Ihnen verschrieben bzw. an Sie abgegeben worden sind, zur Verfügung („e-Medikationsliste“). Damit wird das Risiko gesenkt, dass Ihnen zukünftig ein falsches Medikament verschrieben wird.

Kommentar: Damit wird nur das Risiko fehlenden Wissens ausgeschaltet. Wechselwirkungen und unerwünschte Wirkungen kommen aber daher, dass die Menschen so wie von außen natürlich auch im Stoffwechsel innerlich unterschiedlich sind, Medikamente verschieden abbauen und daher Nebenwirkungen und Wechselwirkungen auftreten können, die nach dem derzeitigen Stand der Medizin nicht vorhergesagt werden können. Kein Arzt verschreibt wissentlich ein “falsches” Medikament, deshalb kann ELGA das Risiko senken, aber nicht ausschalten.

Welche Rechte habe ich als ELGA-Teilnehmerin/ELGA-Teilnehmer?

Alle! Sie haben das Recht, jederzeit Ihre ELGA zu verwenden. Sie haben u.a. das Recht, Ihre ELGA-Gesundheitsdaten zu sperren, zu entsperren, zu löschen bzw. ELGA-Gesundheitsdiensteanbieter für die Einsicht in Ihre ELGA zu sperren, zu entsperren oder einfach nur die Zugriffszeit von 28 Tagen zu verkürzen. Für bestimmte Ärztinnen und Ärzte des besonderen Vertrauens kann die Zugriffszeit auch bis zu einem Jahr verlängert werden. Sie haben auch das Recht, der Verwendung von ELGA zu widersprechen, also sich ganz von ELGA oder einzelnen Arten von ELGA-Gesundheitsdaten (e-Befund oder e-Medikation) abzumelden. In diesem Fall werden alle davon betroffenen Daten unwiderruflich gelöscht bzw. unzugänglich gemacht. In dieser Zeit werden auch keine neuen ELGA-Gesundheitsdaten aufgenommen. Sie können sich jederzeit wieder anmelden. Alle diese Vorgänge sind im Protokollierungssystem vermerkt. Sie selbst können keine e-Befunde oder Medikationsdaten in ELGA speichern. Ihr Arzt/Ihre Ärztin will Sie optimal behandeln. Informieren Sie ihn/sie bitte, wenn Sie Medikamente einnehmen, die in ELGA nicht eingetragen sind.

Kommentar:  Der Sinn einerDatenbank ist die Sammlung von Daten, die jederzeit zur Verfügung stehen, um die Arbeit zu erleichtern.  Diese Daten sind die Basis für Diagnose und Therapie. Fehlen wichtige Daten, stimmen Diagnose und Therapie vielleicht nicht mehr und Untersuchungen müssen gemacht werden, die ansonsten nicht nötig wären. Das kostet Geld und kann Sie belasten. Das Risiko für Irrwege durch Datenlecks dieser Art trägt ausschließlich der Patient, denn der Arzt hat nicht das Recht und die Möglichkeit, ELGA Daten zu ändern.

Entstehen mir Nachteile, wenn ich die Aufnahme von ELGA-Gesundheitsdaten ablehne?

Nein, weil Sie vom Gesetz vor Benachteiligung geschützt sind. Sie dürfen weder beim Zugang zur medizinischen Versorgung noch hinsichtlich der Kostentragung benachteiligt werden. Allerdings liegt es in Ihrer Verantwortung, falls wegen des Fehlens dieser Daten eine (zukünftige) Behandlung gar nicht oder nicht ausreichend erbracht werden kann. Die Ärztinnen und Ärzte sind nicht verpflichtet, Sie zu fragen, ob Sie ELGA-Gesundheitsdaten ausgeblendet bzw. gesperrt oder gelöscht haben; diese Information müssen Sie gegebenenfalls unaufgefordert geben.

Kommentar: Wenn sie bei ELGA nicht mitmachen, wird alles so gemacht wie bisher. Es gibt keinerlei Unklarheiten, ob Informationen vielleicht ausgeblendet sind oder nicht.  Die Arbeitsvoraussetzungen sind völlig klar. Sie können selbst alle Daten bei sich aufbewahren und bereit halten. Es gibt keine Weitergabe von Daten an ELGA.

Situatives „Opt-Out“

Ja, Sie haben das Recht der Bereitstellung Ihrer im Rahmen der aktuellen Behandlung entstandenen Gesundheitsdaten im Wege von ELGA zu widersprechen (situatives Opt-Out). Sie können dadurch verhindern, dass jene Gesundheitsdaten, die während Ihrer Behandlung/Behandlungsserie entstehen, in Ihre ELGA aufgenommen werden. Falls Sie ein situatives Opt-Out wünschen, informieren Sie bitte Ihre Ärztin/Ihren Arzt am Beginn der Behandlung. Dieses situative Opt-Out gilt für die konkrete Behandlung/Behandlungsserie bis auf Widerruf. Wir weisen Sie speziell auf dieses Widerspruchsrecht hin, insbesondere falls bei Ihnen eine psychische Erkrankung behandelt oder eine HIV-Infektion vorliegt, eine genetische Untersuchung, eine Substitutionsbehandlung oder ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt wird.

Kommentar: Der Gesetzgeber mutet Ihnen die Entscheidung zu, welche ihrer Daten medizinisch zukünftig wichtig sind und welche sie sperren. Als Arzt  brauche ich die Daten aus der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung um festzulegen, welche weiteren Untersuchungen nötig sind, um eine Diagnose zu stellen. Dann kann die Therapie und die Prognose (=Aussichten) festgestellt werden. Fehlen wichtige Informationen, führt das unter Umständen zu sinnlosen Untersuchungen, die unnötig Geld kosten und  vielleicht belastend sind. Auch die Diagnose kann unrichtig sein und als Folge davon kann die Therapie nicht ansprechen oder sogar zusätzlich belasten. Die Verantwortung dafür trägt ausschließlich der Patient, denn der Arzt hat kein Recht, diese Veränderungen in der ELGA vorzunehmen.

Bei HIV-Infektion, psychischen Erkrankungen, Ergebnissen aus genetischen Analysen des Typs 2 und 3 nach § 71 Abs. 1 des Gentechnikgesetzes sowie bei Schwangerschaftsabbrüchen muss der Arzt gesondert und aktiv über die Möglichkeit des situativen opt outs aufklären. Die Aufklärungspflicht hängt dabei von der dahinterliegenden Diagnose, nicht vom einzelnen Medikament ab.  Ansonsten muss der Arzt nicht gesondert aufklären, es reicht der Patientenaushang. Der Patient muss sich aktiv zum situativen opt out melden.

Typen genetischer Analysen (§ 71a Abs. 1 Gentechnikgesetz)

Typ 1 Diagnosen bestehender Erkrankungen, Therapiesteuerung oder Verlaufskontrolle (somatische Mutation) Darf in ELGA stehen
Typ2 Keimbahnmutationen (vererbbare Erkrankungen) Über opt out – Möglichkeit muss der Arzt aufklären
Typ3 Prädisposition (=Neigung) und /oder Überträgerstatus von Erkrankungen bei Möglichkeit einer Therapie Über opt out – Möglichkeit muss der Arzt aufklären
Typ4 Prädisposition (= Neigung) ohne Prophylaxe- oder Therapiemöglichkeit Darf nicht in ELGA stehen, besonders geschützt

 

Die Kommentare stammen von Dr. Piet Auer-Grumbach.

Weitere Informationen bei der ELGA-Serviceline unter 050 124 4411 – werktags von Mo bis Fr von 7 Uhr bis 19 Uhr, auf www.gesundheit.gv.at oder www.elga.gv.at